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Jacques Delahaye
17. Juni 1928 - 13. Mai 2010
Bildhauer

John Anthony Thwaites
(wikipedia)

Text: Zitate aus: “Ich hasse die moderne Kunst!”
Ullstein Buch 295, 1960.
(erneut veröffentlicht: Jacques Delahaye - Der Bildhauer. Kettler Kunst, 2006.
Herausgeber: Theo Bergenthal / Joachim Stracke)


Zitate aus: “Ich hasse die moderne Kunst”

von John Anthony Thwaites

S. 107 ... Den neuen Stil kann man an den Beispielen zweier jüngerer Plastiker umreißen, dem Franzosen Jacques Delahaye und dem Deutschen Norbert  Kricke. Delahaye ist einer der Bildhauer, die gewissermaßen ein  Äquivalent zum Tachismus darstellen. (...) Er modelliert in Gips mit Hilfe von verschiedenen Materialien wie Wellpappe, Maschendraht usw. Seine  Plastiken sehen zuerst wie Strandgut aus, wie vom Meer angespülte alte  Hölzer oder halbverfaulte Objekte. Aber wenn man sie näher betrachtet,  merkt man, daß sie eine Einstellung zur Materie vermitteln, die der von  Dubuffet sehr ähnelt. Nur muß der Plastiker mit dem physischen Raum  rechnen, und man hat den Eindruck, daß dieser das Material wie eine  Säure weg frißt. Ohne weiteres hat dies etwas mit Kriegszerstörung zu  tun, die Delahaye als Kind in Frankreich erlebte. Aber sie ist auch  nicht von der modernen physikalischen Anschauung der Materie zu trennen, die wir bereits so oft erwähnt haben. Genau wie bei den Malern ist  Rhythmus hier das Kompositionsprinzip. Der große Rhythmus, der die  scheinbar sich zerbröckelnde Materie durchzieht. Aus diesem doppelten  Rhythmus kommt der Ausdruck einer großen Vitalität. Diese Art von  Plastik steht der Malerei so nah, daß viele der jungen Bildhauer  Schwierigkeiten mit der dritten Dimension haben und das Relief der  freistehenden Plastik vorziehen. Das ist mit Delahaye nicht der Fall.  Seine Plastiken haben wie die vieler seiner Kollegen eine stark  expressive Seite, manchmal aggressiv, manchmal verhalten und manchmal  mit einer gewissen Tragik.

S. 127 ... Neben Delahaye ist in Paris César (Baldachini) der führende, mit  den Tachisten verwandte Plastiker. Er ist vor allem in seinen  Reliefplastiken wesentlich und hat Schwierigkeiten mit der dritten  Dimension. Das gilt auch für die sonst sehr fruchtbaren Italiener P.  Consagra und G. Pomodoro sowie den britischen Bildhauer E. Paolozzi.  Dies liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache: Die Materie  anzugreifen und zu zerstören und trotzdem dreidimensional zu bleiben,  ist besonders schwierig. Trotzdem ist es erreicht worden von Delahaye,  von dem Amerikaner Roszak (...), von den Holländern Wessel Couzijn und S.  Tajiri und in ihren besten Arbeiten von den Deutschen E. Cimiotti und  der Bildhauerin B. Meier-Denninghoff. Nicht aber von E. Hermanns oder O. H. Hajek.

 

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